Liebe Interessierte am Leben im Wohnmobil und am Mitlaufen auf meiner Pilgertour 2022.

Als ich vor einigen Wochen die Einladung versandte, uns am 7.+8. Mai an den Dörenther Klippen zu treffen, war dieser Termin noch in weiter Ferne. Das war auch bewusst so gewählt, glaubte ich doch, ein solches Treffen wäre coronabedingt nicht in „Gefahr“.
Heute stehen wir kurz vor diesem Termin und ich bin mir bewusst, Corona und die Einschränkungen haben uns fest im Griff. Immer noch und leider!
Somit einige Neuigkeiten zu diesem Wochenende:
Ich werde nicht mit dem Wohnmobil an den Klippen vom 7. auf den 8. Mai übernachten. Es wäre sowohl eine Verletzung des Verbotes von touristischen Übernachtungen, wie auch eine Verletzung des Gebotes der Ausgangssperre, da die aktuelle Inzidenzzahl im Kreis Steinfurt noch über der magischen Grenze von 100 liegt.
Wie ich es jeden Samstag mache, werde ich aber um 10.00 Uhr meine Wanderung starten. Da ich die Strecke ausgeguckt habe, laufe ich auch an den Dörenther Klippen wie geplant. Ein offizielles Treffen wird es nicht geben. Wie immer vor den Touren lasse ich mich auf das Coronavirus testen und habe selbstverständlich eine FFP2 Maske dabei, sollte mir doch jemand begegnen.
Auch Ihnen und Euch ein schönes Wochenende.
Ich hoffe sehr, wir können ein offizielles Treffen nachholen.
Mit liebem Gruß

Hans Gerd

Liebe Interessenten, die sich aufgrund verschiedener Zeitungsartikel bei mir gemeldet haben.Und an die Interessenten,  die sich noch nicht gemeldet haben.

Zugegeben, ich fühlte mich plötzlich etwas hilflos nach einigen Reaktionen auf diverse Zeitungsartikel, die in der KuL, in Leben! und in der Rheinischen Post über mich erschienen waren.
Einige fragten nach einem möglichen Treffen, um sich auszutauschen, andere reagierten lediglich in sehr freundlicher Art und Weise auf das Geschriebene.
Ich wehrte in der Regel erst einmal ab, da ich mit so einer Resonanz nicht gerechnet hatte. Doch sie freut mich ja. Im Grunde will ich das ja, mit den Menschen ins Gespräch kommen.
Aber als die Menschen das auch wollten, war ich konzeptlos.
So ist das bei mir auch manchmal.
Inzwischen konnte ich mich sammeln, und das ist dabei herausgekommen:
Ich lade ein zu einem Wandertag im Teutoburger Wald.
Ausgeguckt habe ich – und im Kalender geblockt – Samstag, den 8. Mai 2021.
(Ich hoffe, dass Corona uns keinen Strich durch die Rechnung macht.)
Einige, die das Gespräch mit mir suchten waren interessiert am Leben im Wohnmobil, andere daran mich eventuell ein Stück des Weges im Jahre 2022/23 zu begleiten.
So schlage ich vor:
Ich komme schon am Freitag, 7. Mai 2021 mit meinem Wohnmobil zum Parkplatz an den Dörenther Klippen. Ich versuche gegen 17.00 Uhr da zu sein.
(fürs Navi: Münsterstraße 419, 49479 Ibbenbüren)
Am Samstag, 8. Mai 2021 starten wir um 10.00 Uhr auf dem Parkplatz an den Dörenther Klippen eine Wanderung durch den Teutoburger Wald. (fürs Navi: Münsterstraße 419, 49479 Ibbenbüren)
20 km, leicht hügeliges Gelände. Einkehrmöglichkeiten, um etwas zu trinken, sind gegeben.
Jeder sollte sich Wegproviant mitbringen.
Gegen 16.00 Uhr sind wir wieder an den Autos / Wohnmobilen.
Wer Interesse hat, ist herzlich willkommen.
Ich freue mich drauf.
Wenn möglich eine kurze Rückmeldung
Mit liebem Gruß
Hans Gerd Paus

24. Dezember- Heiliger Abend 

Ich hasse Ohrwürmer.  Gerade deshalb,  weil sie mich so oft heimsuchen. 

So laufe ich sehr oft pfeifend durch die Anstalt.  Normal ist das nicht – sage ich mir selber. 

Auch jetzt, in der Adventszeit „erwischte“ ich mich dabei, wie ich die Radiohits rauf und runter pfiff. „White chrismas“ und „last chrismas “ waren so die gängigsten.  Dabei ist es mir vollkommen egal,  ob es dieses Jahr eine weiße Weihnacht gibt. In diesem Jahr habe ich definitiv andere Sorgen.  Und wenn Weihnachten sich ab jetzt immer in dem Gewand zeigt wie in diesem Jahr,  dann soll es last chrismas sein. 

Die Gottesdienste sind Corona wegen auch in der Anstalt stark eingeschränkt.  Die Leichtigkeit ist weg. Mit Maske und Coronaauflagen feiert es sich nicht unbeschwert. 

So wollte ich meinen Ohrwurm in eine bestimmte Richtung lenken und pfiff von da an mein Lieblingsweihnachtslied, das bei keinem Radiosender gespielt wird:

Menschen, die ihr ward verloren,  lebet auf, erfreute euch. Heut ist Gottes Sohn geboren,  heut ward er den Menschen gleich. 

Menschen liebt, oh liebt ihn wieder, und vergesst der Liebe nie…

Pfeifend versteht zwar keiner den Text, aber das ist mir egal. Ich pfeife alle Strophen.  Dabei habe ich das trotzige Gefühl, dieser beschissenen Coronazeit die beste Botschaft der Welt entgegenzupfeifen. 

Die beste Botschaft im Knast und auch draußen:

Menschen, die ihr ward verloren,  lebet auf, erfreuet euch!

Und so werde ich trotzig weiterpfeifen.

In der Gewissheit,  der Coronastern wird eines Tages verglüht sein, aber der Stern der Weihnacht wird immer leuchten. 

Euch allen,  die ihr meinen Gedanken in den letzten Wochen gefolgt seit, danke ich für euer offenes Ohr.  

Von Herzen wünsche ich euch die Freude der Weihnacht.

Ich werde nicht die Daumen drücken,  dass im nächsten Jahr alles besser wird (das bringt nichts), wohl aber werde ich die Hände falten,  dass uns ein Stern immer den richtigen Weg weist durch jeden Schlamassel dieser Zeit. Auch in Not und Trauer nicht untergeht und wir letztendlich freudig durchs Leben gehen. 

Hans Gerd

23. Dezember (Mittwoch der 4. Adventswoche)

3+7-2 = 8

8×9 = 72

6+11-8 = 10

6x1x2 = 12

Ist es dir aufgefallen?

3 von 4 Aufgaben sind richtig!

Oder fiel dir auf, dass eine Aufgabe falsch ist?

So ist es auch bei den Männern,  die bei uns einsitzen. 

Das meiste an Ihnen ist schon in Ordnung. 

Nicht alles, sonst säßen sie nicht ein.

Fokussiere ich sie aber auf ihren Fehler,  dann wird der, der jemanden umgebracht hat zum Mörder.  Der, der etwas gestohlen hat zum Dieb. Der, der betrogen hat zum Betrüger.  Sprachlich ist das einfach, aber ein Mensch erhält so aufgrund seines Fehlers einen neuen Namen. 

Nach ihrer Tat schien alles menschliche für die Presse unwichtig, der Killer wurde gefasst.

Der Verteidiger kümmert sich nur des Fehlers wegen um diesen Menschen. 

Der Richter beurteilt den Fehler. 

Die Justiz sperrt ihn weg, wegen des Fehlers. 

So wird ein Mensch nur noch über seinen Fehler definiert.

Erhält einen neuen Namen. 

Nach Jahren im Strafvollzug wird er seinem Namen mehr und mehr gerecht.

Ein Name gibt Erlaubnis.

Ich möchte sehen lernen, dass der größte Teil an diesem Menschen richtig ist.

Immerhin ist er Geschöpf Gottes.

Gott will sogar in diesem Menschen (trotz eines oder mehrerer Fehler) wohnen,  das feiern wir morgen. 

Und noch unter dem Kreuz, ist der erste Mensch, dem von Jesus das Paradies versprochen wird, der Verbrecher am Kreuz neben ihm.

Wenn Gott schon in Jesus diese Spannung aushält, ….

Wer bin ich, dass ich mich nicht mal bemühen will im Menschen das Gute su sehen oder es wenigstens zu suchen?

21. Dezember (Montag der 4. Adventswoche)

Die Adventskränze waren aus Feuerschutzgründen auf den Abteilungen verboten worden.  EINEN Weihnachtsbaum gibt es genau in der ganzen Anstalt,  der steht in der Kirche. Sichtbar für 45 Minuten während des Gottesdienstes.  Pakete zugeschickt bekommen ist schon seit Jahren verboten.  Besuch ist am Heiligabend und die Weihnachtstage nicht vorgesehen.

Ab frühen Nachmittag sind die Zellentüren verschlossen bis zum anderen Morgen.  Jeder ist dann für sich in seinem 8 oder 9 qm² Haftraum allein mit seinem Fernsehgerät, so der Mann eines hat.

Es bleibt nur das Wort,  das einmal gesprochen nachklingt, Trost spendet und durch die Tage trägt. 

Am Anfang war das Wort. Das Wort kam in die Welt und hat die Dunkelheit erhellt. 

Herr, sprich durch mich. Ich spüre die Verantwortung als schwere Last.

20. Dezember (4. Adventssonntag)

Das Warten ist real, das Kommen eines Menschen oder auch nur eines Briefes ist heiß ersehnt. Im Knast wartet keiner auf den Messias,  aber auf menschliche Nähe. Gott war klug, als Mensch in diese Welt zu kommen. 

Ein Gedicht von P.C.

Jeden Tag warte ich…

Keiner kommt mich besuchen, 

niemand schickt mir ein Paket. 

Ich erwarte von niemanden Post, 

aber ich warte auf einen Brief. 

Manchmal kommt ein Schreiben 

von den Justizbehörden. 

Jeden Tag warte und warte ich, 

dass ein Mensch an mich denkt… 

Mein Gott, ich kann noch lange 

auf ein Lebenszeichen warten, 

denn für die Welt draußen 

bin ich längst gestorben.

19. Dezember (Samstag der 3. Adventswoche)

Ich werde manchmal mit staunendem Gesicht gefragt „du bist PFARRER im Knast? Warum gibt es denn da Pfarrer,  sind die etwa so gläubig?“ In dieser Frage wird alles Unverständnis hineingelegt, als habe der oder die Fragende die Gewissheit auf den größten Widerspruch in der Geschichte der Menschheit gestoßen zu sein. 

Meine Antwort ist dann meistens,  „nein, sie sind nicht gläubiger als der andere Teil der Menschheit,  aber sie haben mehr Sehnsucht nach Heilung“

Und Tatsache ist, wir Seelsorger versuchen den Raum offen zu halten nach dem ganz Anderen. Dem, der noch neue Wege kennt, dem der in seiner Widersprüchlichkeit Ja sagt zu den Menschen,  die sonst nur Nein hören.  Der, dem unser Gut-sein oder oder unser Schlecht-sein kein Kriterium dafür ist uns zu lieben. 

Wir versuchen erfahrbar zu machen,  dass wir Menschen etwas brauchen,  dass uns unverfügbar bleibt und uns doch in Fülle geschenkt wird. Leben, zum Beispiel.

Wir versuchen Horizonte aufzuzeigen,  die von den Männern gefüllt werden dürfen.

Darum gibt es Seelsorge im Gefängnis,  nicht, weil die Männer so fromm sind, wohl aber, weil viele ihre Antennen im Gefängnis ganz weit ausgefahren haben auf der existentiellen Suche nach einem neuen Weg.

Diese Suche habe ich in dieser Absolutheit in der Gemeinde nur sehr selten vorgefunden. 

Hier ist sie zum Greifen nahe.