24. Dezember- Heiliger Abend 

Ich hasse Ohrwürmer.  Gerade deshalb,  weil sie mich so oft heimsuchen. 

So laufe ich sehr oft pfeifend durch die Anstalt.  Normal ist das nicht – sage ich mir selber. 

Auch jetzt, in der Adventszeit „erwischte“ ich mich dabei, wie ich die Radiohits rauf und runter pfiff. „White chrismas“ und „last chrismas “ waren so die gängigsten.  Dabei ist es mir vollkommen egal,  ob es dieses Jahr eine weiße Weihnacht gibt. In diesem Jahr habe ich definitiv andere Sorgen.  Und wenn Weihnachten sich ab jetzt immer in dem Gewand zeigt wie in diesem Jahr,  dann soll es last chrismas sein. 

Die Gottesdienste sind Corona wegen auch in der Anstalt stark eingeschränkt.  Die Leichtigkeit ist weg. Mit Maske und Coronaauflagen feiert es sich nicht unbeschwert. 

So wollte ich meinen Ohrwurm in eine bestimmte Richtung lenken und pfiff von da an mein Lieblingsweihnachtslied, das bei keinem Radiosender gespielt wird:

Menschen, die ihr ward verloren,  lebet auf, erfreute euch. Heut ist Gottes Sohn geboren,  heut ward er den Menschen gleich. 

Menschen liebt, oh liebt ihn wieder, und vergesst der Liebe nie…

Pfeifend versteht zwar keiner den Text, aber das ist mir egal. Ich pfeife alle Strophen.  Dabei habe ich das trotzige Gefühl, dieser beschissenen Coronazeit die beste Botschaft der Welt entgegenzupfeifen. 

Die beste Botschaft im Knast und auch draußen:

Menschen, die ihr ward verloren,  lebet auf, erfreuet euch!

Und so werde ich trotzig weiterpfeifen.

In der Gewissheit,  der Coronastern wird eines Tages verglüht sein, aber der Stern der Weihnacht wird immer leuchten. 

Euch allen,  die ihr meinen Gedanken in den letzten Wochen gefolgt seit, danke ich für euer offenes Ohr.  

Von Herzen wünsche ich euch die Freude der Weihnacht.

Ich werde nicht die Daumen drücken,  dass im nächsten Jahr alles besser wird (das bringt nichts), wohl aber werde ich die Hände falten,  dass uns ein Stern immer den richtigen Weg weist durch jeden Schlamassel dieser Zeit. Auch in Not und Trauer nicht untergeht und wir letztendlich freudig durchs Leben gehen. 

Hans Gerd

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