Dezember (Mittwoch der ersten Adventwoche)

Oktober 2017 bat mich ein damals 26 jähriger Inhaftierter um die Taufe. Er wollte in die Kirche aufgenommen werden. Sein Anliegen war glaubhaft und unsere Gespräche führten dazu, dass ich tiefen Respekt vor ihm, seiner Geschichte und seiner Bitte entwickelte. ich fragte ihn, ob er den Mut hätte, sich auch vor der ganzen Gemeinde ähnlich äußern könne. Die Gemeinde, das waren seine Mitgefangenen, die, die ihm täglich begegnen, und die oft wenig Verständnis zeigen für öffentliche Glaubensaussagen.

So formulierte er einen Brief, der überschrieben war mit dem Satz: 

Warum ich in die Gemeinde Jesu Christi aufgenommen werden will.

Heute und morgen möchte ich euch sein Schreiben in zwei Schritten vorstellen.

Natürlich habe ich ihn gefragt, ob das für ihn in Ordnung ist. Da er inzwischen Mitglied dieser Broadcastgruppe ist, wird er seinen Text auch selber wieder lesen.

Danke Dir, R. Hier dein Schreiben.

Danke, für Euer Interesse, hier sein Schreiben (1. Teil)

Meine Beziehung zu Gott war – naja- kompliziert.

Ehrlich gesagt gab es eine Zeit wo ich Gott gar nicht gut leiden konnte.

Ich habe ihm Vorwürfe gemacht

 „warum hilfst du mir nicht, wenn ich zu dir bete? – siehst du denn nicht, dass ich klein, schwach und wehrlos bin? – Hörst du mich nicht?“

Und was tat Gott? Er tat nichts.

Ich war ein Pico und dachte mir „ok, Gott, du willst mir nicht helfen, dann geh! Ich bete nie wieder zu dir und ich bitte dich auch um nichts mehr. Ich brauche dich nicht“.

Verletzt traurig, enttäuscht und wütend war ich auf Gott jahrelang, aber ich kann nicht für immer böse auf ihn sein.

Also fing ich wieder an zu beten und das ging immer so: „lieber Gott, falls du mich hörst, bitte beschütze meine Familie, aber um mich brauchst du dich nicht zu kümmern. Lass mich in Ruhe, hilf lieber anderen, die das mehr nötig haben.“

Obwohl mittlerweile viele Jahre vergangen waren, war ich immer noch böse auf Gott. Niemals hätte ich mir die Blöße gegeben und Gott gesagt, dass ich hier gerade am Ertrinken bin in meiner Welt voller Misstrauen, Hass, Neid, Gewalt, Korruption und Gier.

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