19. Dezember (Samstag der 3. Adventswoche)

Ich werde manchmal mit staunendem Gesicht gefragt „du bist PFARRER im Knast? Warum gibt es denn da Pfarrer,  sind die etwa so gläubig?“ In dieser Frage wird alles Unverständnis hineingelegt, als habe der oder die Fragende die Gewissheit auf den größten Widerspruch in der Geschichte der Menschheit gestoßen zu sein. 

Meine Antwort ist dann meistens,  „nein, sie sind nicht gläubiger als der andere Teil der Menschheit,  aber sie haben mehr Sehnsucht nach Heilung“

Und Tatsache ist, wir Seelsorger versuchen den Raum offen zu halten nach dem ganz Anderen. Dem, der noch neue Wege kennt, dem der in seiner Widersprüchlichkeit Ja sagt zu den Menschen,  die sonst nur Nein hören.  Der, dem unser Gut-sein oder oder unser Schlecht-sein kein Kriterium dafür ist uns zu lieben. 

Wir versuchen erfahrbar zu machen,  dass wir Menschen etwas brauchen,  dass uns unverfügbar bleibt und uns doch in Fülle geschenkt wird. Leben, zum Beispiel.

Wir versuchen Horizonte aufzuzeigen,  die von den Männern gefüllt werden dürfen.

Darum gibt es Seelsorge im Gefängnis,  nicht, weil die Männer so fromm sind, wohl aber, weil viele ihre Antennen im Gefängnis ganz weit ausgefahren haben auf der existentiellen Suche nach einem neuen Weg.

Diese Suche habe ich in dieser Absolutheit in der Gemeinde nur sehr selten vorgefunden. 

Hier ist sie zum Greifen nahe.

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