8. Juli 2020 von RABE DE LAS CALZADASnach CASTROJERIZ – 38,5 km

Die Kirchturmuhr in Rabe de la Calzadas gab nachts Ruhe. Die Elektrik war abgeschaltet. Ansonsten ertönte alle 15 Minuten aus großen Lautsprechern der Viertelstundenschlag. Gegen 22.00 verstummte dieser Fake.

Um 6.00 Uhr gings wieder los, aber da frühstückten wir bereits. Die Herbergsmutti hatte schon gestern Abend den Frühstückstisch für uns zwei gedeckt. Inclusiv den Kaffee gekocht, den wir uns in der Mikrowelle heiß machten. Das Brot kam in den Toaster und das Tetrapak Orangensaft hatte Zimmertemperatur. Plastikverpackter Kuchen. Ein gutes spanisches Frühstück.

11.30 Uhr

Die Meseta kann mörderisch sein, heute meinte sie es gut mit uns. Leichte Schleierwolken zogen vor die Sonne, ein angenehmer Wind kühlte bisher. Der Blick fängt über Stunden nur Getreidefelder ein und der Weg schlängelt sich hoch und runter ohne Unterlass bis zum Horizont.

Von einer Minute auf die andere fängt das Auge einen kleinen Ort ein. Versteckt in einer Mulde der Landschaft liegt Hontanas und schlummert. 

Hier genossen wir zunächst eine liebevoll gestaltete Kirche, in der Taizegesänge den 

Raum füllen. Jetzt trinken wir vor der Herberge eine Cola bevor am Nachmittag wieder nur Getreidefelder sehen werden.

14.45 Uhr

 Was ist mit den jungen Männern los ? Kaum, dass wir wieder zusammen laufen, bekommt Mauro Schwierigkeiten mit seinem Fuß. Einer seiner Füße ist angeschwollen . Darum sind wir jetzt nach 34 km in Castrojeriz in einer Herberge abgestiegen . Ein nettes altes Gebäude das sehr viel Charme ausströmt. Allein das ganze Gebälk , an dem man sich Schritt für Schritt den Kopf stoßen kann, ist ein optisches Highlight . Des Nachts sieht man dann sogar die Sterne, wenn man dieses Highlight missachtet. 

Wir haben gleich das Abendessen hier bestellt, damit er mit seinem Fuß nicht mehr vor die Tür muss. Morgen, ob er will oder nicht, muss er 26 km laufen, da wir in Formista gegen Mittag seinen Zug nach Santiago erreichen müssen. Das heißt, wir werden hier schon gegen 4 Uhr in der Frühe aufbrechen. Darauf freue ich mich, denn es wird definitiv nicht heiß sein.

Ich mache mich jetzt noch auf zur Bank denn mein Geld neigt sich dem Ende zu. Was besser ist, als wenn ich mich dem Ende zuneigte.

17.15 Uhr

Mauro macht – meiner Schätzung nach – täglich weit mehr als einhundert Fotos.  Ich fragte ihn, wie er zu Hause mit den unmengen Fotos umgeht. Er sagte, er sehe sich alle sehr genau an. Sortiere 100 aus, die er seinem Auftraggeber vorlege. Dieser habe 20 Fotos bestellt.  Demnach suche dieser sich 20 Bilder aus, die er für die Story als geeignet ansieht.  

Ich war baff. Diese ganze Arbeit für 20 Fotos. 

Gehe ich eigentlich auch so mit meinen Worten um, fragte ich mich, oder haue ich immer alle raus, soll der andere doch sehen, wie er damit klar kommt?

20.45 Uhr

Es regnet in Strömen. Gut so. Ich genieße schon das Geräusch des Regens,  der auf das Dach der Herberge prasselt. Es passte einfach alles, der Regen kühlte die Luft, wir saßen auf der überdachten Terrasse der Herberge beim Abendessen und tranken Rotwein. Nerija und Antonio aus Barcelona gesellten sich dazu. Es war eine tolle Atmosphäre und die Chemie stimmte. Ein kleiner Wermutstropfen,  Mauro und ich stehen heute um 3.45 Uhr auf, da wir gegen 4.00 Uhr loslaufen wollen. Sein Zug in Formista fährt gegen Mittag. Klar, dass ich ihn bis zum Bahnhof begleite. Wenn das Wetter mitspielt laufe ich weiter, möchte auf minimum 35 km kommen. 

Werde ihn vermissen.  

Ein Deutscher kam heute auch hier in die Herberge. Ihn werde ich weniger vermissen,  dabei kann ich es nicht festmachen, aber die Chemie ist nicht passend. Ob ich ihm damit gerecht werde? Keine Ahnung, sicher nicht. Aber über Wertschätzung und Respekt hinaus muss ich ihm auch nicht gerecht werden. 

Gute Nacht!🤗

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