6. Juli 2020von GRAÑÒNnach AGÈS – 51,9 km

Am Morgen werde ich Mauro vermissen.  Nach dem Weckerklingeln murmeln wir ein unverständliches „good morning“ danach kein Wort mehr.  Bis zum ersten Kaffee herrscht Schweigen. Nach der ersten Tasse heute morgen fragte ich ihn etwas, worauf ich nur erfuhr er sei noch nicht hochgefahren. Weiter schweigen.

Ideale Welt. Inzwischen quatschen wir uns die Ohren voll. Warten auf seinen Bus, nachdem wir 15 km gelaufen sind.  Nach Christina und Luca verabschiede ich ihn. Von Christina habe ich nichts mehr gehört oder gesehen. Dass sie auf whattsapp nicht antwortet wundert mich nicht, sie will sich auf dem Weg der Elektronik enthalten.  Luca ist weit voraus mit seinem Rad. Auch das wundert mich nicht, die Strecke war nahezu flach aus der Sicht eines Mountainbikers.

Da gab es Interesse an den Hühnern in der Kathedrale.  Hier die Lösung:

Das sogenannte Hühnerwunder von Santo Domingo de la Calzada ist eine eng mit dem Jakobsweg verbundene Legende.

Zur Hochzeit der Wallfahrt nach Santiago de Compostela soll eine Pilgerfamilie aus Xanten nach Santo Domingo de la Calzada gekommen sein. Sie übernachteten in einem Wirtshaus.

Die Wirtstochter fand den Sohn der Familie sehr attraktiv, der – fromm und keusch – ihr Angebot aber zurückwies. Die Zuneigung der Wirtstochter wandelte sich in bösen Zorn, sie sann auf Rache und versteckte einen Silberbecher in seinem Gepäck.

Der Wirt bemerkte am Folgetag den Verlust und schickte die Stadtbüttel aus, die auch schnell fanden, was sie suchten. Der junge Mann wurde nach kurzem Prozess aufgehängt und die Eltern zogen traurigen Herzens weiter nach Santiago.

Auf dem Rückweg kamen sie wieder an der Richtstatt vorbei, wo sie ihr Sohn ansprach, dass er gar nicht tot sei, weil ihn (Version 1) Santiago bzw. (Version 2) Santo Domingo gehalten habe. Die Eltern liefen daraufhin zum Richter, der vor einem Teller gebratener Hühner saß, und berichteten das Vorgefallene. Der Richter antwortete, dass ihr Sohn so tot sei wie die beiden Hühner vor ihm, worauf diese sich erhoben und davonflatterten. Nun wurde der Sohn ab- und die Wirtstochter aufgehängt, die Familie zog weiter nach Hause.

17.30 Uhr

… geplant war es anders, aber das ist ja meistens so…

Laufen wollte ich von Grañón nach San Juan de Ortega, das wären ein paar Kilometer über 40 gewesen.  In San Juan de Ortega war aber die Herberge voll (kann ich kaum glauben, da ich den ganzen Tag über nur drei Pilger gesehen habe.) Somit weiterlaufen.  Bin jetzt am Weg nach Burgos in einer privaten Unterkunft gelandet und meine Tachomaschine zeigt 49,99 km an….gut so, denn ich hatte mir auch vorgenommen unter 50 km zu bleiben.  Somit ist der Part überdeutlich erfüllt.

Unterwegs traf ich Wolfgang, mitte 50, aus der Nähe von Freiburg. Er ist insofern mutig, als da er kein Englisch oder eine andere Sprache als Deutsch spricht.  Ich stelle es mir einsam vor. Ab dem Moment, als er erfuhr, dass ich Pfarrer bin ahnte ich sehr bald, dass auch ich nicht bereit bin, etwas an seiner von mir vermuteten Einsamkeit zu ändern. Er arbeitet in seiner Kirchengemeinde als Lektor,  Kommunionhelfer und ehrenamtlicher Küster, ist im Gemeinderat und diversen Ausschüssen tätig. Seine Frau ist Pfarrsekretärin und ab diesem Moment habe ich abgeschaltet. Bin noch ein paar Kilometer mitgelaufen und habe mich dann beim Thema Zölibat (oder war es Kirchenfusionen?) verabschiedet. 

Ich bleibe dabei, er war sehr nett, aber mit seinem neuen Wissen um mich, glaubte ich zu spüren,  dass er sich auch nicht mehr so frei fühlte und suchte ständig Themen, von denen er glaubte, dass ich mich darüber unterhalten wollte. Da bekam ich ihn auch nicht mehr raus.

Jetzt erst mal lecker Essen und Trinken. 

19.05 Uhr

Gar nicht so einfach in einem sehr kleinen Kaff wie Ages es ist,  „lecker Essen und Trinken „

In der ersten Bar habe ich die Tortillavorräte alle verspeist. Jetzt sitze ich in der zweiten Bar…..hier gibt es noch etwas…🤗

Zudem stelle ich fest, Bier muss sehr gesund sein, es tut mir nach 50 km unendlich gut….🤗

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