17. Juli 2020 von TRICASTELA nach PORTOMARIN – 54,8 km

Was für ein verrückter Tagesstart.

Geplant hatten wir um 6.00 loszulaufen. Es wurde 7.15 Uhr.  Und das kam so:

Wir hatten uns gestern den Luxus gegönnt unsere Wäsche in der Maschine zu waschen und im Trockner zu trocknen.  Das Programm dauerte aber bis Mitternacht, einer Zeit, in der wir für gewöhnlich schlafen. Somit wollte ich also heute morgen den Trockner leeren und stolpere im Dunkeln dorthin. Ich greife in die Tonne und fühle: Nichts! Weg. Wo suchen? Also erst einmal das Licht einschalten. Mit uns ist eh nur noch eine andere Person im Schlafraum. (ethische Frage, ist die Quantität entscheidend für die Licht-an-frage?)

Die Wäsche stand in einem Korb aufgefalter vor meinem Bett (gute Herbergsmutter). Also im (wieder)  Dunkeln nach meiner und Matteos Wäsche getrennt. Mir fehlt ein t-shirt! Bei nur zweier in der Habe ist mir somit 50% abhanden gekommen.  Nicht gut.

Waschmaschine, Trockner und Rucksack Fehlanzeige.  Matteo hatte ein t-shirt zu viel 🙄. Problem gelöst.

Alles im Halbdunkeln, ohne Kaffee und bei totaler Unterbrechung unserer morgendlichen Routine, bei der wir sonst ohne Worte auskommen.  Um es kurz zu machen, wir waren kurzzeitig beide draußen, aber Teile unseres Gepäcks stand noch hinter der zugefallenen Haustür. Klingel defekt. Nur durch Klopfen,  das dem Einschlagen der Tür gleichkam, weckten wir die dritte Pilgerin. Glücklich war sie nicht… es ging so weiter, und um 7.15 Uhr starteten wir ohne Frühstück. 

Inzwischen 25 km zurückgelegt. Alles gut.

Es muss gegen 18.00 Uhr gewesen sein.  Wir waren gute 46 km gelaufen und kalkulierten, nach weiteren 4 km in Portomarin ankommen zu müssen. Es war heiß,  sehr heiß und wir durchliefen gerade ein winziges gallizisches Dorf, das irgendwie tot war. Vermutlich kam wegen der Hitze keiner vor die Tür. Dann klingelte es plötzlich,  und zwar direkt neben uns, ziemlich laut. Kein unbekanntes Geräusch, sondern das eines rollenden Ladens, das ankündigt zum Verkauf bereit zu stehen.  

Wie elektrisiert stoppte Matteo und meinte: I need a melone! In dem Satz klang kein Fragezeichen mit, nur ein Rufzeichen. Ich sagte ihm, die Sonne hätte ihm nicht gut getan, wir liefen noch fast eine Stunde. Das prallte an ihm ab. Er sprach sofort den Fahrer an, ob er eine halbe Melone kaufen könne, was der Fahrer freundlich ablehnte.  Matteo schaute mich an, ich nickte nur und wir kauften jeder eine halbe Melone. Die im jeweiligen Rucksack verpackt wurde. Auf die drei Kilo kam es auch nicht mehr drauf an. Der Fahrer schenkte uns noch jeweils eine Nektarine, weil ihm unser Schauspiel gefiel. Sicher hat er noch zwei Pilgern mitten im Nirgendwo eine Melone verkauft, die dann im Rucksack verschwindet.

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