12. Juli 2020 von MANSILLA DE LAS MULAS nach VILLADANGOS DEL PARAMO – 43,9 km

Draußen donnert es. Blitze sehe ich nicht, und der Regen hat sich auch noch nicht gezeigt.  Der bewölkte Himmel lässt mich hoffen, heute keinen ganz so warm Tag erleben zu müssen. Es ist schon kurz vor sieben Uhr und an normalen Werktagen hätte ich schon zwischen 5 und 10 Kilometer unter die Füße genommen.  Aber heute ist Sonntag. Freue mich auf den Tag. Auch darauf, mit dem Erreichen von Leon die Meseta endlich wieder verlassen zu dürfen. 

10.50 Uhr

Soeben Leon erreicht. Von oben ist die Stadt überschaubar, tauchte ich aber erst einmal ein verliere ich mich fast in den kleinen und großen Straßen.  

Jetzt werde ich die Kathedrale kurz besuchen und dann weiterziehen.  

16.45 Uhr

Jetzt könnte meine tägliches Kilometerfressen teuer werden.

Ich habe die Corona-Öffnungswelle überholt.

Am 1. Juli öffnete Spanien die Grenze. Mit dieser Öffnung auch die ersten Herbergen in Grenznähe. Zeitlich versetzt öffneten dann Tage später die Herbergen,  die etwas ferner der Grenze liegen. In etwa dem Pilgerstrom (Pilgerströmchen), öffneten die Herbergen. So gab es Termine, wie den 5. / 10. / 15. Juli.

Hinter Leon öffnen – wie es aussieht – die Herbergen nach dem 15. Juli.

Folge, in den letzten drei Ortschaften gab es für mich keine geöffnete Pilgerherberge.

Neben dem Preis (Herbergen zwischen Spende / 5-10 €) ist auch das Ambiente ein anderes, als ein Hotel es bieten kann.

Vom gemeinsamen Kochen, gemeinsamem Abendessen, Andachtsangebot, Gespräch bietet eine Pilgerunterkunft eben auch etwas für den Geist. 

Der Körper scheint manchmal etwas vernachlässigt zu werden, wenn man die winzigen und wenigen Duschen für – in nicht Coronazeiten – Scharen von Pilgern betrachtet. Oder die Betten,  die noch aus Zeiten stammen, in denen der Durchschnittsmensch nicht länger als 1,80 Meter war. 

Im Gegenzug findet man Handwaschbecken und Wäscheleinen, um die tägliche Wäsche zu reinigen.  Das sucht man im Hotel vergebens, weshalb ich hier eine Leine durchs ganze Zimmer spannen muss, denn bei drei Garnituren kann ichs auf Waschen nicht verzichten. 

Dafür bietet das Hotel kleine Handwaschseife, die sich zur Reinigung bestens geeignet ist. Und deren Reste auch in der Herberge noch zu gebrauchen sind. 

Der für mich größte Nachteil ist ein gefühlter. 

Mit dem Einchecken in ein Hotel verlasse ich den Pilgerweg und tauche wieder in meine Alltagswelt ein. Morgens brauche ich eine gewisse Zeit um wieder in den Weg einzutauchen.  Es fühlt sich an, wie in zwei Welten zu leben. Die Pilgerwelt ist die einfache. Alles dreht sich um laufen, essen und schlafen. Das Leben ist einfach und in gewisser Weise auch leicht.

Die „normale“ Welt verlangt Differenzierungen,  ist kompliziert und hat einen anderen Spirit.

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