11. Juli 2020 von SHAGUN nach MANSILLAS DE LAS MULAS – 45,1 km

Inzwischen ist es 11.30 Uhr. Nachdem ich heute morgen um 6:30 Uhr die Herberge verlassen hatte, stand ich nach circa 5 km vor dem Problem mich entscheiden zu müssen . Es gab eine alternative Route des Jakobweges . 3 km länger durch die Pampa keine Dörfer. Oder die HauptRoute entlang der Straße gelegentlich ein Dorf und die Möglichkeit regelmäßig einen Kaffee zu trinken. Ich hatte im Rucksack 3,6 Liter Flüssigkeit, zwei Scheiben Käse, eine Banane. Das sollte reichen für 32 km Pampa.

Jetzt sitze ich in derselben (Pampa) und habe endlich einen Baum gefunden, der ein wenig Schatten spendet. 10 km sind jetzt absolviert. Mal sehen was der Tag noch so bringt. Banane und Käse ist weg. Getränke nur noch die Hälfte da.

12.35 Uhr

Das war gar nicht lustig….

Endlich gab es am Horizont der Pampa einen Lichtblick.  Ein Wäldchen. In mir wuchs gewaltig die Lust auf Schatten und in diesem Wäldchen sollte genug davon sein. Einer der vielen künstlichen kleinen Kanäle führte dorthin und erklärte diese wunderbare Oase. Als ich direkt davor stand, stand mir zugleich der Mund offen.  Das Wäldchen war eingezäunt. Elektrisch gesichert. Pilgerhasser, schoss es mir durch den Kopf und da ich weit und breit kein Lebewesen sah, überstieg ich den Zaun und machte es mir im Schatten bequem. Aber die Frage im Kopf: Warum der Zaun? ließ mich nicht los. Ich schloss die Augen und philosophierte darüber. 

Aber nur kurz, ich hatte etwas gehört. Als ich mich umblickte sah ich großgehörnte Vierbeiner die sich für mich zu interessieren schienen. Ich nahm mir nicht die Zeit zu ergründen, ob es Stiere, Ochsen oder sonst welche Rindviecher waren. Plötzlich war ich trotz der stundenlangen Tortur sehr schnell, mit Rucksack.

Den Zaun erreichte ich, bevor die Rinder mich erreichten. 

Jetzt betrinke ich mein Glück mit einem alkoholfreien Bier, denn sehr plötzlich war auch die Pampa an ihr Ende gekommen und ich sitze in einer Bar 7 km vor dem Ziel. 

15.45 Uhr

Darstellung des Herrn, und ich bin mittendrin. Mir zur Seite steht der heilige Juan von Hacia, der für gewöhnlich in der Kathedrale von Segivia wacht. Nicht zuletzt gesellt sich Lautenspielend König David zu unserer Runde.

Nicht kleckern, sondern klotzen habe ich mir für die Nacht von Samstag auf Sonntag gedacht, und wenn das mit dem weniger laufen heute bei stattlichen 42,66 km nicht ganz geklappt hat,  das Klotzen funktioniert. Ich gönne mir ein Hotelzimmer. Mitten im Ort Mansillas de las Mulas. 

Mein Bett ein Himmelbett. Über diesem die erwähnte Darstellung des Herrn, rechts von mir San Juan und links König David. Ich mittendrin kann jeder so interpretieren wie es ihm recht ist. Kalenderblätter wären mir auch lieber als in einer Kapelle zu schlafen.

Zahle ich sonst in den Herbergen zwischen 6 und 12 Euro, holte ich heute 38 Euro aus dem Säckerl. An der Rezeption war man sich nicht einig, ob das Frühstück incluse sei. Ich habe argumentativ nachgeholfen und bekomme um 7.00 Uhr morgen früh ein breakfast incluse. 7.00 Uhr, das heißt auch ausschlafen. 

Ab Montag sieht die Welt dann wieder anders aus.

19.30 Uhr 

Ich soll die Saison retten. Angeboten wurde mir zum Dinner, was die Küche bevorratete. Ich entschied mich für ein Glas Wein, sie brachte eine Flasche.  Rechtzeitig machte ich sie noch auf das „Missverständnis“ aufmerksam. Ich orderte einen kleinen Salat, es kam eine Schüssel mit Blattsalat und zwei Stangen Spargel obendrauf, der sicher den Preis nach oben treiben wird. 

Ich bestellte Tortilla und bekam das, was ich mir täglich im Supermarkt kaufe. Bin gespannt,  wie hoch die Rettung der Saison veranschlagt wird.

12 € – vollkommen ok 

ich leiste Abbitte ob meiner Lästerungen.

20.30 Uhr

Gut, dass die Damen zwischen 70 und 80 Jahren noch ihre Verantwortung für die Weltenrettung erkennen und ernst nehmen.  So geschehen heute Abend in der Eglesia Santa Maria. Die Sitzplätze waren eindeutig mit einem sentarse aqui gekennzeichnet. Mein Popo war leicht verrutscht, vielleicht um die 50 cm. Das war der Weltenretterin aufgefallen und ergoss viele spanische Worte über mich, die ich zwar nicht verstand, aber denen ich dennoch folgte, da sie auch mit Händen und Armen sprach. Sie wies mir quasi schon den rechten Weg, in meinem Fall die richtige Po-sitz-ion. 

Der Wein wirkte, und das Bier. Ob es die richtige Entscheidung war noch die Messfeier zu besuchen? Sicherlich. 

Jetzt liege ich angeschwipst unter der Darstellung des Herrn. König David wird keine Probleme damit haben, er selbst tanzte nackt vor dem Volk, weil er zu tief ins Glas geschaut hatte. Dieser San Juan ist mir fremd. Er hält sowieso schon seine Hand an die Wange,  als sei er leicht entsetzt.

Morgen ist auch noch ein Tag. Gute Nacht.

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